5. Februar

Unser Leben wurde vom Ornament befreit. Die Architektur ist vorwiegend nur noch Form und Funktion, das nichtfunktionale Ornament ist verschwunden. Auch die Gebrauchsgegenstände sind von jeglichem „Überfluss“ befreit worden, die Kanten sind glatt und oftmals sogar ohne Rundungen.

Aber der Mensch kann und will auf das Ornament nicht verzichten, es belebt, erheitert, regt an, gehört zur Lebensqualität. Ich halte diesen Trend für vorübergehend.

Beim Schreiben ist es fast unmöglich, auf das Ornament zu verzichten. Egal ob Geschichte, Roman, Gedicht, wir brauchen das Kolorit, die Stimmung, den Charakter. Mir ist nur ein Buch bekannt, das vollständig auf das Ornamentale verzichtet und damit eine zeitlose Prosa schafft, die streng fokussiert ist und wertungsfrei erzählt: Die Bibel.

Kennt Ihr weitere Beispiele für radikal ungeschmückte Prosa oder Gedichte?