4. Februar

Die Lyrik einer Nation gehört zu ihren größten Schätzen. Da sie anteilig an den Gattungen die kleinste Zahl an Liebhabern hat, sollte ihr eine besondere ausgleichende Zuwendung von seiten der Gesellschaft zukommen. So, wie man sozial benachteiligte Gruppen unterstützt, muss man auch die Lyrik schützen. Ich weiß, es gibt Kulturpreise für die Gattung und Stipendien. Alles schön und gut, aber immer im eigenen Saft geschmort.

Warum nicht z. B. in der „Tagesschau“ nach den Nachrichten und vor dem Wetter ein Gedicht vortragen lassen? Da die sogenannten Nachrichten ausschließlich negativ und/oder angsteinflössend sind, hätten diejenigen, die sich so etwas anschauen, wenigstens noch einen seelischen Ausgleich, ein Trostpflaster, ein dichterisches Aufmuntern. Ungefähr so:

„Sein Blick ist vom Vorübergehn der Katastrophen

so müd geworden, daß er nichts mehr hält.

Ihm ist, als ob es tausend Katastrophen gäbe

und außer tausend Katastrophen keine Welt.“

Schon gut. Man wird ja mal träumen dürfen.